Die geheimnisvolle Köchin
KREUZ UND QUER - Eritrea-Gulasch
Die geheimnisvolle Köchin
Auch die besten Kochrezepte schreibt das Leben. Was als Teepause geplant war, endete als spannender Ausflug in eine Kantine der besonderen Art und einem Kochrezept, das auch den hiesigen Geschmack trifft.
Nach intensiver Arbeit am Sitz des eritreischen Blutspende-Dienstes in der Hauptstadt Asmara war ich froh um eine kurze Pause. „Lasst uns in die Kantine eine Tasse Tee trinken gehen“, sagte Sylvia Froelicher, die SRK-Delegierte in Eritrea, mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Ohne viel nachzudenken, einfach nur froh ob der Aussicht, eine Tasse Tee zu bekommen, folgte ich Sylvia Froelicher in Richtung Hinterhof. Etwas verwirrt war ich dann allerdings, als wir bei einem alten, ausgedienten Schiffscontainer Halt machten. Mittlerweile mit einem breiten Lachen klärte Sylvia Froelicher uns auf, dass wir unser Ziel erreicht hätten. Tatsächlich fanden sich da unter einer Plache – aufgehängt zwischen besagtem Container und einer Mauer – diverse unterschiedlich einladende Sitzgelegenheiten. Auf einer Sitzbank, die aussah als stamme sie aus einem ausrangierten Bus, sass die Köchin, haufenweise Zwiebeln schneidend. „Kochen Sie heute Zwiebelsuppe?“ Schon wieder erntete ich ein breites Lachen zur Antwort und die Information, dass Zwiebeln – viele Zwiebeln! – eine der wichtigsten Zutaten für das eritreische Nationalgericht Zigni (oder Zegni) seien,. eine Art Gulasch.
Essgewohnheiten in Eritrea
„Zu Zigni wird häufig ein Gemüse gekocht und es wird üblicherweise Reis oder Kartoffelstock dazu gegessen“, erzählt Sylvia Froelicher und erläutert, wie eine Familie in Eritrea tafelt: „In vielen Familien steht nur eine grosse Platte auf einem niedrigen Tisch in der Mitte. Alle essen mit der rechten Hand, es ist tabu die linke Hand zum Essen zu benutzen, denn mit ihr hält man das Glas. Mit einem Stück Fladenbrot bedienen sich alle aus der gleichen Platte. Vor und nach jedem Essen gibt es eine Handwaschzeremonie am Tisch.“ Mein lukullisches Interesse war geweckt und ich liess nicht locker, bis ich verstanden habe, wie man das Eritrea-Gulasch zubereitet. Es ist überraschend einfach und hat ein Testessen mit kritischen Gästen in der Schweiz mit Bravour bestanden.
REZEPT
Zigni oder Eritrea-Gulasch
Für 4 Personen
Zutaten: 3 EL Speiseöl, 2 grosse Zwiebel gehackt, 2 EL Ingwer frisch gerieben, 600 g Rindfleisch in Würfel geschnitten, 4 grosse Tomaten (oder 1 Dose Pelati) klein geschnitten, 2 EL Tomatenpüree, 1 EL Berbere (afrik. Gewürzpaste, siehe Kasten)
Speiseöl erwärmen, Zwiebeln und Ingwer andämpfen. Rindfleisch beifügen und kurz anbraten lassen, anschliessend die Gewürzpaste und die Tomaten dazugeben. Auf kleinem Feuer eine Stunde schwach köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Für eine vegetarische Variante kann das Fleisch durch Gemüse oder Tofu ersetzt werden. Die Kochzeit verkürzt sich entsprechend den gewählten Gemüsesorten.
APROPOS
Berbere – ostafrikanische Gewürzpaste
Berbere nennt sich eine ostafrikanische Gewürzpaste, die aus Chili und anderen Gewürzen besteht. Bei uns ist sie nur in einigen Spezialgeschäften, die afrikanische Spezialitäten führen erhältlich. In den Gourmetabteilungen grosser Warenhäuser haben wir ein ähnliches Gewürz namens „Mama Africa“ gefunden, dass in der Zusammensetzung Berbere sehr ähnlich ist. Man kann Berbere als Gewürzpaste auch selber zubereiten. Das Rezept finden Sie auf unserer Internetseite.




