ENGAGIERT - Aktiv im Samariterverein: Franziska Keller und Heinz Hofmann
Sicherheit fürs Leben lernen
Franziska Keller und Heinz Hofmann sind seit 16 Jahren Aktivmitglieder im Samariterverein von Schlosswil und Lützelflüh. Sie bestätigen übereinstimmend: Was sie als Samariter gelernt haben, ist fürs Leben – wortwörtlich und im übertragenen Sinn. Die beiden stehen stellvertretend für über 30‘000 Samariterinnen und Samariter, die einem lokalen Verein des Schweizerischen Samariterbundes (SSB) angehören. Der SSB ist als Rettungsorganisation Mitglied des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK), welches dieses Jahr das Engagement seiner Freiwilligen würdigt.
Sie können beide kein Blut sehen. Heinz Hofmann wird sogar übel, wenn ein Kollege beim Mittagessen von einer Operation erzählt. Nicht gerade die ideale Voraussetzung, um Nothilfe zu leisten bei schweren Verletzungen. Trotzdem reagieren Franziska Keller und Heinz Hofmann bei einem plötzlichen Notfall so wie ein erfahrener Berufspilot nach jahrelangem Training: unverzüglich, routiniert und nach Plan. Was für den Piloten der Flugsimulator, ist für die Samariter eine Reanimationspuppe oder eine Übung mit Rollenspiel. Das jahrelange Training zahlt sich aus. Franziska Keller meint dazu: „Nur ein oder zwei Jahre in einem Samariterverein mitzuwirken bringt nicht viel. Im Ernstfall würde die Routine fehlen. Dann hat man keine Zeit nachzudenken. Schade, werden wir manchmal belächelt. Es wird unterschätzt, dass wir laufend Neues dazu lernen müssen.“ Heinz Hofmann bringt es mit seinen eigenen Worten auf den Punkt: „Erfahrung kann man sich nicht einfach mit einem USB-Stick runterladen.“
Prüfung im Ernstfall bestanden
Beide haben die Zeit, die sie freiwillig in ihre Samariterausbildung gesteckt haben, auch in turbulenten Jahren nie bereut. Heinz Hofmann war früher als alleinerziehender Vater zweier Kinder und
„Ich habe so viel gelernt, das mir Sicherheit gibt!“
selbständiger Elektroingenieur ausgelastet. Franziska Keller ist Mutter von zwei Jugendlichen in der Pubertät, packt dem eigenen Bauernhof mit an und arbeitet Teilzeit in einem Büro. „Als die Kinder geboren wurden, wollte ich sicher sein, nicht die Nerven zu verlieren, wenn mal was ist. Ich habe so viel gelernt, das mir Sicherheit gibt! Ich kann jetzt genau abschätzen, wann man mit einem Kind wirklich zum Arzt muss. Ich kenne die verschiedenen Grade bei einer Verbrennung und habe im Nothelferkurs für Kleinkinder gelernt, wie man einen Säugling reanimiert.“
Ein Notfall tritt immer unerwartet ein, ausgebildete Samariterinnen und Samariter reagieren aber wie geplant
Vor sechs Jahren hat die 40-jährige bewiesen, dass sie ruhig bleiben kann wenn es darauf ankommt. Ihr Sohn lag bewusstlos im Stall, nachdem er von einer Kuh angegriffen und mehrmals gegen das Absperrgitter gedrückt wurde. „Da habe ich so reagiert, wie man muss. Das kannst du ganz automatisch, nach all den Übungen.“
Sicherheit beruhigt
Auch Heinz Hofmann weiss aus eigener Erfahrung, dass seine innere Checkliste jederzeit abrufbereit ist. So gelingt es ihm, auch bei blutigen Verletzungen gelassen zu bleiben. „Ich kann mich ausklinken und tun, was getan werden muss.“ Sehr nahe gingen ihm aber Situationen, denen er als Mensch und Samariter machtlos gegenüberstand.
Der 53-Jährige muss nicht darüber sprechen, um so ein Erlebnis verarbeiten zu können. Im Gegenteil, alles, was er dann braucht sind ein paar Minuten für sich allein. „Ich bin nicht religiös, betrachte es mehr von der philosophischen Seite. Der Mensch ist nicht dazu gemacht, alles alleine zu können. Er ist auf andere angewiesen.“ Anderen helfen, wenn sie Hilfe brauchen, ist ein Grund für ihn, als Samariter freiwillig Zeit in die Weiterbildung zu investieren. Zudem kann er dank dem CPR-Ausweis (CPR - Cardiopulmonary resuscitation, engl. für Herz-Lungen-Wiederbelebung) alleine mit seiner Tochter tauchen gehen. Er sieht sein Engagement ganz nüchtern: „Es ist eine grosse Befriedigung, wenn man helfen kann, aber man darf auch nicht zu viel Dankbarkeit erwarten. Es muss ein anderer Antrieb sein.“
„Der Mensch ist auf die Hilfe der anderen angewiesen.“
Franziska Keller sieht es genau so: „Es ist so viel wert, immer wieder die Bestätigung zu erhalten, das Richtige zu tun. Das Vertrauen in mich selber und dieses Gefühl von Sicherheit möchte ich auf keinen Fall mehr vermissen. Zudem sind wir ein toller Verein, unternehmen auch zusammen Ausflüge und haben einen starken Zusammenhalt. Wir würden uns auch sonst jederzeit gegenseitig helfen, wenn es irgendwie nötig sein sollte.“ Heinz Hofmann nickt zustimmend: „Genau – diese Sicherheit ist es. Und man läuft nicht einfach blind durch die Welt.“



